Shooting mit Hindernissen

Es sollte alles ganz harmonisch ablaufen: ein gemütlicher Spaziergang rund um den Weikerlsee, spontan stehen bleiben und schöne Fotos von Iris und ihrer Hündin Chili machen, entspannt die Ergebnisse ansehen. Doch da machten uns mein verrückter Beagle Charlie und Hundedame Chili einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

„Hier ist das Licht perfekt“, sage ich zu meiner Freundin Iris und gehe langsam in die Knie. Das Faszientraining vom Vortag hat einen gewaltigen Muskelkater hinterlassen, nicht unbedingt die ideale Voraussetzung für ein Fotoshooting in der Hocke. Aber was tut man nicht alles für das Geburtstagsgeschenk der besten Freundin: Ein Fotoshooting mit ihrer Hündin Chili. Ich drücke ab … und bemerke den Hintern meines Hundes Charlie auf den ersten Fotos.

„Charlie, weg da, du bist heute nicht das Model“, rufe ich ihm zu. Doch das lässt ihn unbeeindruckt. Zum Glück haben wir unsere Freundin Christina mit, die den leidigen Part der Hundesitterin, Leinenrichterin, Knackerhalterin und Haarstylistin (für Iris, nicht den Hund) übernehmen muss.

Wenn Charlie und Chili lesen könnten, ließen sich ihre Gefühle kaum mehr kontrollieren: KNACKER? Hat sie eben Knacker gesagt?

Ja! Das vermeintliche Zaubermittel für den perfekt erzogenen Hund offenbart schon nach kurzer Zeit das wahre Gesicht unserer Hunde: Sie werden zu Bestien.

„Zur Seite, Leinenhalterin“, scheinen sie Christina zuzujaulen, während sie sich mit gesammelter Kraft in die verwurschtelten Zehn-Meter-Leinen hängen. Atmen? Unwichtig! Hauptsache fressen! Kaum zu glauben, dass dieses schöne herbstlich-beruhigende Foto unter folgenden Umständen entstehen konnte:

Iris legt ihre Handtasche mit dem Knacker-Sackerl zur Seite und ein Würstchen als Lockmittel für Chili in die Hand. Christina kümmert sich um Charlie, sodass ich mich voll und ganz aufs Fotografieren konzentrieren kann. In einem unbeobachteten Moment („Oh, wie schön, die Kulisse, der Baum im Hintergrund, wie Chili lächelt, Iris‘ perfekt sitzendes Haar, sooo schön!“) verschafft sich Charlie (der sich zum Zeitpunkt des Fotos unmittelbar hinter mir befindet) einen Meter der Leine und wirft sich mit aller Kraft in Richtung abgestellter Handtasche. Als hätte er tagelang nichts gegessen, schnappt er wie ein weißer Hai nach der Knacker samt dem Plastiksackerl und verbeißt sich darin, als würde sein Leben davon abhängen. Den genauen Wortlaut der Schreie, die unterschiedlichen Methoden, das Sackerl zu entreißen und Details über den Schimpfvorgang, der mit einem müden „Mir-doch-egal“-Beagleblick beantwortet wird, erspare ich euch. Nach einem Aggressionsanfall meinerseits versucht Charlie erneut, an das sicher verstaute Sackerl zu gelangen. Schimpftiraden werden ignoriert – „Hundesitterin Christina ist ohnehin viel netter zu mir“, denkt er sich wohl und setzt sich neben sie, als wäre nichts gewesen.

Frauli kann sich schnell mit entspannten Aufnahmen abreagieren und Chili, die zwar anfänglich den Blick in die Kamera die meiste Zeit mied, ist anscheinend doch etwas beeindruckt von meinen Schreikünsten und schenkt mir den ein oder anderen süßen Blick zur Beruhigung. Man kann ihnen einfach nicht lange böse sein – Charlie und ich sprechen mittlerweile auch wieder miteinander 😉.

Und Christina? Die kämpft wohl immer noch mit der Zehn-Meter-Leine. 😊

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